zurück

Unsere Gegner

Im folgenden wollen wir unseren (virtuellen) Gegner, den Wehrhahn-Konzern, analysieren. Man muß zunächst einmal wissen, dass die Gemeinde Dornburg ja die Eigentümerin des Dorndorfer Steinbruches ist und die Basalt-Actien-Gesellschaft als Tochterunternehmen der Wehrhahn-Gruppe lediglich die Pächterin. Wir haben als Eigentümerin also prinzipiell gute Karten und unsere Gemeindevertreter können nein sagen zu einem Antrag auf Erweiterung des jetzigen Abbaugebietes. Wer also ist der Wehrhahn-Konzern? Wir haben uns den aktuellen Geschäftsbericht des Jahres 2000 besorgt und die markanten Informationen zusammen getragen, damit dem Leser die Dimensionen einmal klar werden. Bei der folgenden Betrachtungsweise sind wir uns durchaus darüber bewußt, dass die Zahlen und Informationen "erschlagend" sein können und einige Konzentration und teilweise auch betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen erfordern. Sollten Sie also nicht gewillt oder bereit sein, die folgende Zahlenflut über sich ergehen zu lassen, so verweisen wir an dieser Stelle auf die Zusammenfassung im Ende unserer Ausführungen, die noch einmal die markanten Ergebnisse festhält.

Gliederung des Beitrages

1. Die Unternehmens- und Geschäftsbereiche sowie Beteiligungen der Wehrhahngruppe

2. Weitere Eckdaten sowie Gewinn- und Verlustrechnung: Die Gewinnverschleierung des Wehrhahnkonzerns

3. Zusammenfassung

Zu 1: Die Unternehmens- und Geschäftsbereiche sowie Beteiligungen der Wehrhahngruppe

Unternehmensbereiche
Baustoffe
Industrie
Finanzdienstleistungen
Sonstige
Geschäftsbereiche

Natursteine

Schiefer

Holz

Zwilling

Mehl

Heinrich

MBU

Stuart

ABC

AKB

Immobilien

Ladenbau

Der Wehrhahn-Konzern gliedert sich gemäß Geschäftsbericht in vier Unternehmensbereiche, denen wiederum Geschäftsbereiche zugeteilt sind. Die Basalt-Actien-Gesellschaft, die ja als Tochterunternehmen des Gesamtkonzerns fungiert und Betreiberin des Dorndorfer Steinbruches ist, gehört zum Geschäftsbereich Natursteine.


Die Dimension des Wehrhahn-Konzerns wird auch durch das Beteiligungsverzeichnis deutlich:

Beteiligungen des Wehrhahn-Konzerns
Anzahl Unternehmen
1. konsolidierte verbundene Unternehmen
108
2. Assoziierte Unternehmen
30
3. nicht konsolidierte verbundene Unternehmen
103
241

Wir reden also insgesamt über ca. 240 Unternehmen, die dem Gesamtkonzern angehören.

Der Gesamtkonzern hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 einen Umsatzerlös von über 4 Mrd. DM (!), ausgeschrieben 4.017.980.000 DM, der sich auf die vier Unternehmensbereiche wie folgt aufteilt:

Der Unternehmensbereich Baustoffe mit den Geschäftsfeldern Natursteinprodukte (Straßen-, Gleis- und Wasserbau), Asphaltbaustoffe, Naturwerkstein, Recycling-/Entsorgungstechnik und Transportbeton hat also mit einem Umsatzanteil von 41% (1.640.952 TDM) maßgeblichen Anteil am Erfolg des Wehrhahn-Konzerns.


Zu 2: Weitere Eckdaten sowie Gewinn- und Verlustrechnung - die Gewinnverschleierung des Wehrhahnkonzerns

Nachfolgende Eckdaten stehen für den Gesamtkonzern und sprechen für sich:

Mitarbeiter 8.526
Bilanzsumme (in DM) 9.074.055.000
Eigenkapital (in DM) 1.756.985.000
Flüssige Mittel (in DM) 1.213.625.000
Umsatzerlöse (in DM) 4.017.980.000

Versucht man nun, sich einen Überblick über die Umsatz-/Gewinnrelation zu verschaffen, so wird man enttäuscht, wie nachfolgende Tabelle verdeutlicht:

Gewinn- und Verlustrechnung des Wehrhahn-Konzerns

in TDM

in %

Umsatzerlöse inkl. Bestandsveränderungen

4.042.834

100,0

Sonstige betriebliche Erträge

350.513

8,7

Materialaufwand

2.676.981

66,2

Personalaufwand

720.798

17,8

Abschreibungen

212.878

5,3

Sonstige betriebliche Aufwendungen

982.155

24,3

Beteiligungsertrag

48.856

1,2

Zinsertrag

150.609

3,7

Einen Gewinn oder gar Verlust sucht man in der Darstellung vergebens. Die Ursache liegt darin begründet, dass das Ergebnis und der Steueraufwand im sonstigen betrieblichen Aufwand enthalten sind. Der Wehrhahn-Konzern beruft sich hier auf eine "Erleichterung", die das Publizitätsgesetz einräumt. Es stellt aber auch gleichzeitig eine Möglichkeit dar, den Gewinn zu verschleiern, was im vorliegenden Fall aus Sicht der Bürgerinitiative offenkundig ist! Nachfolgend die Begründung:

Im Erläuterungsteil eines Geschäftsberichtes findet man immer die wesentlichen Positionen eines Kontos (hier: Sonstige Betriebliche Aufwendungen) wieder. Notiert man die hier erwähnten Aufwandsblöcke und subtrahiert diese vom Gesamtwert der sonstigen betrieblichen Aufwendungen, so ergibt sich folgendes Bild:

in TDM

Sonstiger betrieblicher Aufwand

982.155

./. Einstellungen in die Sonderposten mit

Rücklagenanteil

1.811

./. Sonstige Steuern

7.537

./. Abschreibungen auf Finanzanlagen

und Wertpapiere des Umlaufvermögens

14.974

Zu erklärender Betrag

957.833

D.h. nahezu eine Milliarde DM (!) bleiben als zu erklärender Betrag offen und bilden somit die Grundlage für den Gewinn und den Steueraufwand.

Gehen wir nur einmal davon aus, dass die Hälfte dieses Betrages den Gewinn darstellt, so haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn inklusive des
Beteiligungs- und des Zinsertrages von ca. 700 Mio. DM.
In Relation zum Umsatz, die sogenannte Umsatzrendite, ergibt sich hier ein prozentualer Wert von über 17%, eine Umsatzrendite, die ihres gleichen sucht, wie nachfolgende Graphik zeigt. Ist man in der Industrie (IND), im Handwerk (HW), im Groß- (GH) und Einzelhandel (EH) derzeit froh, überhaupt einen Gewinn zu erwirtschaften, so gelten diese Maßstäbe für den Wehrhahnkonzern offensichtlich nicht.

So stellen die Verantwortlichen der Wehrhahn-Gruppe auch zufrieden fest

..."Das Gesamtergebnis der Gruppe war wiederum erfreulich."

Später wird diese Aussage weiter spezifiziert, denn offensichtlich war der Basaltbereich einer der herausragenden Geschäftsbereiche. Unter der Überschrift "Gut behauptet in schwierigem Umfeld" schreibt man:

..."In diesem widrigen Umfeld behauptete sich die Basalt-Gruppe als einer der bedeutenden Baustoffproduzenten von Natursteinen und Asphaltmischgut in Deutschland. Durch regionale Großprojekte....die ICE-Strecke Köln-Frankfurt entwickelten sich die Versandmengen besser als der Markt. Der Versand von Naturstein, Kies und Sand konnte mit 47 Mio. Tonnen weiterhin auf hohem Niveau gehalten werden..." "...Kostensteigerungen bei Bitumen, Heizöl und Treibstoffen, die am Markt überwiegend weitergegeben werden konnten."..."Das Gesamtergebnis des Geschäftsbereiches Natursteine war wiederum erfreulich."

Auch strategisch ist man im abgelaufenen Jahr bei Wehrhahn wieder ein Stückchen weiter gekommen.

"Im Frühjahr 2001 hat der Geschäftsbereich Naturstein alle Geschäftsanteile an der Nassauischen Mischwerke GmbH, Diez, erworben. Mit diesem Erwerb wurden die Aktivitäten im nördlichen Rheinland-Pfalz und in Mittelhessen ideal ergänzt."

"Im Jahr 2000 wurde neben einigen kleinen Akquisitionen durch den Erwerb der restlichen Anteile der Jean Uhrmacher GmbH & Co. KG (50%) die Rohstoffversorgung in der Region Westerwald langfristig gesichert." (Anm.: es handelt sich hier offensichtlich um den Steinbruch in Enspel, denn die Verwaltungsgesellschaft Jean Uhrmacher m.b.H. wird im Beteiligungsverzeichnis der Wehrhahngruppe mit einem Anteil von 100% und dem Firmensitz in Enspel ausgewiesen.

Zu 3: Zusammenfassung

Die Analyse des Geschäftsberichtes des Wehrhahnkonzerns ergab, dass es unsere Bürgerinitiative und die Gemeinde Dornburg mit der BAG resp. der Wehrhahngruppe mit einem (über)mächtigen Gegner zu tun hat. Wir müssen davon ausgehen, dass der Konzern die finanziellen Möglichkeiten besitzt, Gegner oder strategische Personen "zu überzeugen".

Nachfolgende Daten galten per 31.12.2000

· über 240 Unternehmen gehören zum Konzern
· das Bilanzvolumen beläuft sich auf 9,1 Mrd. DM, der Umsatzerlös auf über 4 Mrd. DM, davon entfallen über 1,6 Mrd. DM auf den Geschäftsbereich Basalt
· die flüssigen Mittel (Kriegskasse) haben ein Volumen von 1,2 Mrd. DM (!), die Zuführung zum Eigenkapital im abgelaufenen Jahr beträgt 116 Mio. DM
· der Gewinn ist nicht feststellbar, sondern wird im sonstigen betrieblichen Aufwand ausgewiesen, wir gehen aber von einer satten zweistelligen Umsatzrendite aus (Begründung siehe oben), was insbesondere im derzeitigen schwierigen Umfeld als Sensation angesehen werden kann
· aus der verbalen Beschreibung des Geschäftsberichtes geht hervor, dass nicht nur der Umsatz auf sehr hohem Niveau gehalten werden konnte, nein, auch der Kostendruck konnte ungebremst auf den Endverbraucher abgewälzt werden (Glückwunsch)
· die Gemeinde Dornburg ist in diesem Spiel der zweite Sieger, sie verschleudert ihr schwarzes Gold zum Nulltarif
· die Wehrhahngruppe erweitert sukzessive ihren Machtbereich, der Gürtel schließt sich zunehmend enger um Dorndorf; im Jahr 2000/2001 wurden mit der Nassauischen Mischwerke GmbH, Diez und der Jean Uhrmacher GmbH & Co. KG, Enspel, strategisch wichtige Unternehmen vollständig erworben


Alles in allem gehen wir einer spannenden Zukunft entgegen und können nur hoffen, dass man sich mit Geld doch nicht alles kaufen kann.