Auswirkungen einer Steinbrucherweiterung

Welche Auswirkungen hat eine Steinbrucherweiterung auf die Vögel am Watzenhahn ?

Der Vogelschutz Dorndorf und die Bürgerinitiative „Rettet den Watzenhahn“ möchten den Mitbürgern anhand von Zahlen und Fakten die Auswirkungen der Steinbrucherweiterung speziell für die Vogelwelt deutlich machen.

  • „Diese kleine Erweiterung wird der Vogelwelt so gut wie nichts ausmachen“, wird die Basalt AG erklären
  • „Wen interessieren schon die Vögel ? “, sagen die Gleichgültigen, die sich nicht groß Gedanken machen wollen .
  • „Es geht nicht nur um die Vögel, wir werden es alle zu spüren bekommen!“ sagen die Vogelschützer.

Ein paar Zahlen und Fakten am Anfang:

Die Basalt AG will die bisherige Steinbruchsfläche von ca. 232.000m² um 56100 m² erweitern.

Ein geschlossenes Laub- oder Mischwaldgebiet von 56.100 m² soll abgeholzt werden.

In der Gemarkung Dorndorf wurden vom Vogelschutz Dorndorf langjährig 84 Vogelarten beobachtet und registriert. 44 Vogelarten haben den Watzenhahn als Lebensraum, davon stehen 8 Vogelarten (18,2 %) in Hessen und 4 Vogelarten (9,1 %) in Rheinland Pfalz auf der „Roten Liste“ d.h. 27,3 % der Watzenhahnvögel sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Seit Herbst 2004 ist das Watzenhahngebiet mit dem Steinbruch als Zentrum von der Europäischen Union zum Vogelschutzgebiet erklärt worden.

  1. Kleine Erweiterung ? – Keine Auswirkungen auf die Vögel ?
    Nach Realisierung des Erweiterungsplanes der Basalt AG ergäbe sich in einem ersten Schritt eine Gesamtsteinbruchfläche von 288 100 m². Der Steinbruch wird um ca. 1 Viertel seiner bisherigen Fläche wachsen.
    Ein gewaltiger Eingriff.Schwarz umrahmt :
    heutiger Steinbruch

    Gelb:
    Erweiterung auf Dorndorfer Gebiet

Rot:
Erweiterung auf Salzer Gebiet

Um eine bessere Übersicht von der Gesamtfläche zu erhalten, muss man sich fast 40 Fußballfelder vorstellen (Einzelabmessung 70 m x 105 m), die neben- und hintereinander gereiht, in die Gesamtfläche von 288100 qm hinein passen. (31,6 auf der bisherigen Abbaufläche und 7,6 auf der Erweiterungsfläche )

Den Vögeln wird ein Lebensraum von 56100 m² genommen. Wird ihnen der Lebensraum genommen, werden sie zwangsläufig in einen anderen, fremden getrieben. Die Anpassung, das Leben, das Überleben ist für sie schwierig. Es dauert lange, bis sich die Vögel an die neue Umgebung, die sich selbst ebenfalls ändert, angepasst haben. Es dauert lange, bis der neue Aufenthaltsraum für die vertriebenen Vögel zur Heimat, zum Lebensraum geworden ist.

Ermittlungen ergeben bei der geplanten Steinbrucherweiterung ( in Hessen und Rheinland Pfalz) einen Verlust von etwa 2880 Jungvögel pro Jahr, darin ca. 785-820 Jungvögel pro Jahr, die der „Roten Liste“ angehören. Diese Berechnungen basieren auf der Avifauna von Hessen (Herausgeber: Hessische Gesellschaft für Ornithologie u. Naturschutz e.V.)

2. Ein geschlossenes Waldgebiet von 56.100 m² soll abgeholzt werden.

Wenn ein solch großes Stück Wald vernichtet wird, schauen wir schon nicht mehr gleichgültig zu. Unser Lebensraum wird erheblich verschlechtert. Das kann uns nicht ungerührt lassen, und die Vögel auch nicht.

Denn „Wälder haben für uns Menschen vielfältigen Nutzen. Sie sind eine Quelle für erneuerbare Energie, helfen beim Schutz gegen Naturgefahren, tragen als Kohlenstoff-Speicher zur Reduzierung von Umweltbelastungen bei, halten den Wasserkreislauf im Gleichgewicht und dienen den Menschen als Ort der Erholung. Darüber hinaus ist das Holz der Wälder ein umweltfreundliches Rohmaterial. Für viele Tier- und Pflanzenarten bietet der Wald Lebensräume.“ (Hess. Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz)

Bei der hier zur Rodung vorgesehenen Fläche handelt es sich um ein über Jahrzehnte gewachsenes Laub- oder Mischwaldgebiet. Die hier lebenden Vögel haben sich über diese Zeit hinweg diesem Gelände angepasst, es ist zu ihrem Lebensraum geworden. Den Mischwald hält der durch zahlreiche Fernsehfilme bekannte Naturforscher Dr. Stern in seinem Buch „Rettet die Vögel … wir brauchen sie“ für die wertvollste Waldform. Er schreibt: „Mit der Masse seiner fallenden Blätter und Nadeln düngt er sich selber, macht den Boden tiefgründig zu porösem Humus und lässt durch ihn hindurch große Niederschlagsmengen restlos ins Grundwasser versickern. Verschwindet der Mischwald immer mehr aus unserem L

Der Schwarzspecht

andschaftsbild, dann werden unsere Nachfahren noch mehr als wir mit Sturm- und Feuerkatastrophen, mit Borkenkäfer-invasionen, Lawinen, Schlamm und Hochwasser leben müssen.“

Im Mischwald existieren noch die vier Stockwerke des Waldes. Alle Alters-stufen der Bäume sind hier nebeneinander vorhanden.

Unsere Mischwälder sind die idealen Lebensräume un-serer Vögel. Ohne alte Bäu-me hätte z.B. der Schwarz-specht im Watzenhahn-gebiet keine Überlebens-chance. Er weist die Größe einer Krähe auf und braucht als Bruthöhle einen dicken, sprich alten Baum. Ohne die Spechthöhlen könnten sich u.a. Hohltauben (s. Rote Liste) hier nicht halten. Auch die Fledermäuse benutzen Spechthöhlen als Wochenstuben.

3. Für 44 Vogelarten also spielt der Wald auf dem Watzenhahn die entscheidende Rolle in ihrem Leben, er ist ihr Lebensraum, hier sind sie zu Hause.

Goldhhäher

Alle Stockwerke des Waldes, vom niedrigsten Strauch bis zum höchsten Baumwipfel, können wir am Watzenhahn vorfinden. Sie werden hier von den ver-schiedensten Vögeln genutzt, vom kleinen Wintergoldhähnchen bis zum stattlichen Uhu. Sie leben auf engstem Raum zusammen, ohne sich zu stören. Sie haben sich in langen Entwicklungszeiten diesen Verhältnissen angepasst, woan-ders hätten sie geringere Über-lebenschancen. In diesem Le-bensraum Mischwald herrscht eine ungeheure Artenvielfalt an Lebe-wesen. Diese wiederum garantiert ein Weiterexistieren dieses Raumes.

4. Der Steinbruch ist von der Europäischen Union zum Vogelschutzgebiet erklärt worden.

Uhufelsen

Ausschlaggebend war letztlich ein Uhupärchen, das schon seit Mitte der 90er Jahre im Steinbruch nistet, brütet und seine Jungen aufzieht. Die Uhus sind ausgesprochene Standvögel, d.h. sie kehren immer wieder zum alten Nistplatz zurück. Seine Beobachtungen meldete der Vogelschutz Dorndorf an das Regierungspräsidium Giessen. Der Uhuhorst wurde am 30.06.2004 in Anwesenheit der BAG-Vertreter an diesem Felsen amtlich festgestellt. Das Verfahren nahm seinen Lauf. Dieser Nistplatz soll jetzt weggesprengt werden.

Ein Uhu auf seinem Rupfplatz. Federn und Gewölle mit Resten der Knochen der Beutetiere verraten uns eine Menge über den Speisezettel dieser größten einheimischen Eule.

Warum werden in ganz Europa solche Vogelschutzgebiete eingerichtet ?

Mit dem Projekt Natura 2000 schafft die EU ein zusammenhängendes Netz europäischer Schutz-gebiete. Grundlagen sind die FFH -Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie. “Beide Richtlinien bezwecken den Erhalt der biologischen Vielfalt, Pflege und Entwicklung bestimmter Lebensräume und Pflanzenarten. FFH- und Vogelschutzrichtlinie sind umzusetzendes EU-Recht. … Die Vogel-schutzrichtlinie hat zum Ziel europaweit sämtliche wildlebenden Vogelarten und deren Lebensräume zu erhalten und langfristig zu schützen. Nach Artikel 4 (1) sind für die Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie Schutzgebiete auszuweisen. Es handelt sich dabei häufig um besonders bedrohte Brutvogelarten. Darüber hinaus sind nach Artikel 4 (2) für alle im Anhang I genannten regelmäßigen Zugvogelarten Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“ (Hess. Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz)

Mit der Erweiterung des Steinbruches würde aber nicht nur der Lebensraum des Uhus, sondern auch der der anderen „Watzenhahnvögel“ vernichtet. Dieser Rieseneingriff in die Natur stellt einen gravie-renden Verstoß gegen die EU -Richtlinien dar.

Was gehen uns die Vögel an ?

Diese Frage beantwortet Dr. Horst Stern in seinem Buch „Rettet die Vögel … wir brauchen sie“.

„Die Welt der Vögel ist auch die unsere. Die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen trifft nicht nur sie, sondern auch uns.“, schreibt er.

„Vögel reagieren jedoch viel sensibler auf Umwelt-einflüsse und sterben schon an Ursachen, die der Mensch noch gar nicht registriert. So ist z.B. der Einsatz von DDT verboten worden, als man entdeckte, dass sich die Giftstoffe im Gewebe bestimmter Vogelarten an-reichern und so zu deren Tod führen. Ihr Tod hat den Menschen rechtzeitig gewarnt.“ Wo keine Vögel sind, fehlt der Indikator, uns vor solchen Gefahren zu warnen. Dort wo sie zwitschern und jubilieren, dürfen wir einiger-maßen sicher sein, auch eine menschengemäße Umwelt vorzufinden.“

Schon aus der Grundschule wissen wir: Die Vögel sind die Gesundheitspolizei des Waldes. Insekten sind eine bevorzugte Speise der Vögel, vor allem bei der Aufzucht der Jungen. Die Vögel wirken regulierend bei der Entwicklung und Ausbreitung der Insekten.

Eichelhäher

Der Eichelhäher ist aus unseren Wäldern nicht fortzudenken. Er genießt zwar einen zweifelhaften Ruf als Zerstörer vieler Singvogelbruten, ist aber im Herbst ein emsiger Waldgärtner. Eicherhäher vergraben Baumsamen im Boden als Vorrate, doch viele werden nicht mehr entdeckt, so daß die Samen im nächsten Frühjahr auskeimen können.

Vögel sorgen für die Ausbreitung von Pflanzen und Tieren: Sie fressen Samen, Früchte und Knospen, scheiden die unverdaulichen Reste an anderer Stelle wieder aus. Sie verbreiten aber auch Kleinstlebewesen, Fisch- oder Froscheier. Sie vergraben Eicheln, Haselnüsse oder Bucheckern. Viele ihrer Verstecke finden sie aber nicht mehr. Neue Bäume oder Büsche können wachsen.

Vögel leben in einem Lebensraum, dem sie sich angepasst haben, der sich aber auch an sie anpasst. Die hier lebenden Lebensgemeinschaften haben Einfluss auf ihre Umweltbedingungen. Zerstören wir diesen Lebensraum und so auch die Lebensgemeinschaft in ihm, verjagen wir also die Vögel, beeinflusst dies letztlich auch den Lebensraum des dortigen Menschen.

Wir „brauchen“ die Vögel aber auch um ihrer selbst willen. Wer erfreut sich nicht am Gesang der Vögel, wenn er an einen Sommermorgen geweckt wird. Wem gefallen nicht die bunten Gefieder der Vögel. Wer bewundert nicht den majestätischen Anblick eines Adlers oder Uhus, wer bewundert nicht ihren eleganten Flugstil. Wer glaubt nicht an den Klapperstorch. Wer freut sich nicht über die ersten Schwalben im Frühling. Wer ist nicht fasziniert vom Orientierungssinn der Zugvögel, der sie immer zu ihren Quartieren führt, und von den kräftesparenden, ökonomischen Flugformationen der Zugvögel, in denen sie riesige Entfernungen überwinden können. Wer ist nicht begeistert vom Zimmermann Specht.

In einem Bild fasst Dr. Stern die Bedeutung der Vögel für uns zusammen:

 

Seit Menschengedenken erfreuen sie uns mit ihrem Gesang

Sie fressen Insekten und halten die Nahrungsnetze im Gleichgewicht

Sie warnen uns vor den schädigenden Auswirkungen von Umweltgiften

Ihre Lebensräume stabilisieren auch unsere Umwelt

Sie sorgen für Vielfalt in der Natur

Rettet die Vögel – wir brauchen sie

Der Vogelschutz Dorndorf und die Bürgerinitiative „Rettet den Watzenhahn“ warnen vor der Vernichtung des Lebensraumes unserer Vögel durch die Steinbrucherweiterung. Sie weisen des weiteren auf den zu erwartenden Gesamtschaden an Fauna und Flora im Bereich Watzenhahn, unserem Hausberg, hin. Nicht zuletzt machen sie auf die Beeinträchtigungen unseres eigenen Lebensraumes aufmerksam.

Die Erweiterung des Steinbruches verstößt gegen EU – Recht, vernichtet den Lebensraum der Vögel und zerstört somit auch unseren Lebensraum.

Das darf uns nicht gleichgültig sein.

Literatur und Fotos: Dr. Horst Stern „Rettet die Vögel … wir brauchen sie“