Vogelschutzgebiet

Unser Watzenhahn mit dem Steinbruch als Zentrum ist von der Europäischen Union zum Vogelschutzgebiet erklärt worden !

Abb.: heimatliche neue Vogelschutzgebiete

Die stille Arbeit des Dorndorfer Vogelschutzes wurde endlich belohnt. Jahrelang hat er das Dorndorfer Gebiet beobachtet, betreut und statistisch bearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in der Zwischenzeit vom Regierungspräsidium Giessen entgegengenommen, überprüft und bestätigt. Sie führten letztlich zur Ausweisung des Vogelschutzgebietes.

Aufgrund der Angaben der ehren-amtlichen Mitarbeiter aus Dorndorf wurden die Daten der in der Roten Liste aufgeführten Vogelarten unter der Auf-sicht der Staatlichen Vogelwarte ge-sammelt. Das Regierungspräsidium Giessen wählte die Gebiete aus, die als Vogelschutzgebiete in Frage kamen. Darunter war auch unser Watzenhahn.

Was führte nun konkret zur Ausweisung des Watzenhahns als Vogel-schutzgebiet ?

Schon 1995 machten Dorndorfer Bürger unsere Vogelschützer darauf aufmerksam, dass sie Vogelstimmen gehört hätten, die von einem Uhu stammen könnten. Der Vogelschutz Dorndorf ging diesen Hinweisen nach und fand in der steilen Nordwand des Steinbruches einen Uhuhorst. Nach der Aufzucht der Jungen vertrieb das Uhupärchen seine Jungen aus dem Revier, verschwand selbst und kam im nächsten Frühjahr zur Brut an den gleichen Platz wieder zurück. Seit dieser Zeit wiederholt sich dieses Schauspiel in jedem Jahr.

Abb.: Uhufelsen im Dorndorfer Steinbruch

Diese Beobachtungen meldeten die Dorndorfer Vogelschützer dem Regierungspräsidium Giessen. Dieses erteilte daraufhin dem Kreisbeauftragten für Vogelschutz des Kreises Limburg-Weilburg den Auftrag,den Uhu-Nistplatz zu suchen. Zusammen mit einem Uhu-Fachmann und dem Vogelschutz Dorndorf wurde man dann am 22.05.2004 fündig.

Nach dieser ersten amtlichen Feststellung des Uhus im Dorndorfer Steinbruch wurde es noch amtlicher. Am 30.06.2004 führte der Vogelkundler des Kreises Limburg Vogelexperten des RP Giessen, Vertreter der BAG samt ihren Anwälten zum Horst des Uhus. Es kam dann letztlich zur Ausweisung des Watzenhahngebietes als Vogelschutzgebiet durch den RP Giessen. Dieser meldete das Gebiet an die EU weiter. Im Spätsommer 2004 erfolgte dann die Ausweisung durch die Europäische Union.

Uhu sitzend

Porträt des Uhus:1

Der Uhu ist Europas größte Eule: Spannweite: 1,70-1,80 m, Weibchen: Größe 67-73 cm, Gewicht 2300-3000 g, Männchen: Größe: 63-68 cm, Gewicht:1500-2000 g.

Seine auffälligen Merkmale sind:

Gut sichtbare große Federohren, orangefarbige Augen, dunkelbraun gefleckte Gefiederoberseite, gestreifte und gestrichelte Unterseite, helle Kehle, bleifarbener Schnabel und weißer Bart, breite Flügel, kurzer Schwanz.

Der merkwürdige Name stammt von seinem Gesang, der sich wie u-ho anhört und in stillen Nächten weit zu hören ist. Mit ihrem Gesang locken ledige Männchen unverheiratete Weibchen an.

Mit großen Augen, die noch das kleinste Dämmerlicht aus­nützen können ,starte der Uhu zu seinen Beuteflügen in der Abenddämmerung.

Uhu fliegend

Die Jagdzeit des Uhus ist die Abend- und die Morgen-dämmerung. Von einer Warte aus oder niedrig über das Land fliegend, wird Beute ge­sucht. Dabei verlässt sich der Uhu vor allem auf sein vorzügliches Gehör, mit dem er völlig un­sichtbare Beute orten und greifen kann. Er hat einen lautlosen Flug, schnelle Flügelschläge wechseln mit langen Gleitphasen ab.

Seine Beuteliste macht deutlich, dass er eigentlich mehr auf dem Feld als im Wald jagt: Ratten, Mäuse, Igel, Hamster, Eichhörnchen, Kaninchen, halbwüchsige Hasen, Krähen, Rebhühner, Tauben, Blässhühner, Enten und andere Eulen, Mäusebus­sarde und Falken, ja auch Frösche und Fische bilden einen reichhaltigen Speisezettel. Der Uhu tötet seine Beute mit seinen langen spitzen Krallen ­oder mit einem Biss in den Nacken.

Uhu im Nest

Eulen verzehren im Gegensatz zu den Greifvögeln kleinere Beutetiere oft unzerteilt und un­gerupft. Nach einigen Stunden Verdauungszeit würgen sie das unverdauliche Gewölle wieder heraus. Diese Gewölle sehen wie kleine Würstche­n aus und setzen sich aus Haaren, Federn und Knochen zusammen. Da Eulen, wiederum im Gegensatz zu den Greifvögeln, die Knochen nicht mit verdauen, kann man anhand der Gewölle genau feststellen, welche Beutetiere der Uhu gefangen­ hat. Auch die Zahl der Beu-tetiere jeder Art kann der Spezialist durch sorgfältiges Auszählen der Kno-chenreste ermitteln. Diese Untersuchung der Gewölle gibt uns nicht nur Aufschluss über den Speisezettel verschiedener Eulen, sondern häufig auch über das Vorkommen bestimmter Mäusearten, die man sonst selten sieht oder fängt.

Im allgemeinen ist der Uhu in seinen Ansprü­chen nicht sehr wählerisch. Er brütet in den Fels­wänden des Mittelgebirges, in den Waldgebieten des Flachlandes, in den Tundren Nordeuropas und sogar in der Sahara-Wüste. Wesentlich für ihn ist nur, dass der Lebensraum genügend Nah­rung, Verstecke und Sicherheit vor Störungen bietet. Im Gebirge scharrt er auf Felsbändern oder in Höhlen eine Mulde, in der Ebene oft auf dem Waldboden. Dann legt er zwei bis vier Eier. Im Flachland können auch Baumhorste von Greifvögeln oder Reihern benutzt werden. Nie baut der Uhu ein eigenes Nest.

Uhujunge

Während der fünfunddreißig-tägigen Brutzeit wird das Weib-chen vom Männchen mit Nah-rung versorgt. Die Jungen schlüpfen im Abstand von mehreren Tagen, da das Weib-chen schon nach Ablage des ersten Eies richtig zu brüten beginnt. Daher sind die Jungen einer einzigen Brut sehr ver-schieden groß. Wenn einmal nicht genügend Nahrung vor-handen ist, geht das kleinste Junge zugrunde. Somit stellen sich die Eulen in ihrer Nach-wuchs­zahl sehr genau auf das Nahrungsangebot ihrer Umge-bung ein. Ist von vornherein nicht genü­gend Nahrung vorhanden, werden schon weniger Eier gelegt, oder die Brut fällt einmal ganz aus. Wird während der Aufzucht die Nahrung knapp, müssen eben die Schwächsten daran glauben. Dieses grausame Spiel der Natur ist wiederum als Beitrag des Überlebens zu sehen. Für die Arter­haltung ist es sicher besser, wenn weniger, aber dafür kräftige Junge großgezogen werden. Mehr Junge, die ohnehin nicht vollwertig die auf sie zu­kommenden Schwierigkeiten des Lebens mei­stern können, nützen der Erhaltung der Art nichts. Sie sind eher eine Belastung.

Erst im Alter von neun Wochen können die Uhu-Jungen fliegen. Sie werden aber noch lange von den Eltern mit Nahrung versorgt, bis sie das Brutrevier verlassen und in der Umgebung ein günstiges Nestrevier suchen. Die Jungvögel werden dann von den Altvögeln nicht im Revier geduldet und vertrieben, sie suchen sich in bis zu 60 km Entfernung ein eigenes Revier. Die alten Uhus sind ausgesprochen ortstreue Standvögel.

In der Bundesrepublik wurde der Uhu in vie­len Gegenden ausgerottet, so in Hessen, Rhein­land-Pfalz, Nordrhein- Westfalen und Schleswig­- Holstein.

Der Uhu allein macht aber den Watzenhahn nicht zu einem Vogelschutzgebiet. Weitere 44 Vogelarten hat der Vogelschutz Dorndorf registriert. 12 von ihnen stehen auf der roten Liste Hessen bzw. Rheinland -Pfalz, sind also vom Aussterben bedroht. Dazu gehören Baumpieper, Gartenrotschwanz, Grünspecht, Hohltaube, Habicht, Kuckuck, Rotmilan, Schwarzspecht, Sperber, Uhu, Waldohreule und Wendehals. Neben diesen besonderen Brutvögeln haben die Vogelschützer auch Schwarzstörche auf ihrem Weg zu und von ihrem Winterquartier auf dem Watzenhahn beobachtet. Ferner haben auch die auf der roten Liste stehende Bechsteinfledermaus sowie großer und kleiner Abendsegler ihre Heimat auf unserem Hausberg.

1 Text und Bilder: vgl. Dr. Horst Stern,…“Rettet die Vögel – wir brauchen sie“